Reiseziele April sucht man, weil zu Hause noch nichts geht und woanders schon alles. Zu Hause ist Mitte des Monats alles möglich. Sonne und Graupel wechseln im Halbstundentakt, und das Bedürfnis nach etwas Verlässlichem wird groß. Die Frage ist nur, wo Verlässlichkeit im April tatsächlich anfängt.
Die Antwort steht in den Klimadaten der nationalen Wetterdienste. Sie zeigen ein klareres Bild, als der erste Blick auf die Landkarte vermuten lässt. Vergleichbar sind sie allerdings nur bedingt, weil die Referenzperioden sich von Land zu Land unterscheiden. Spanien veröffentlicht öffentlich weiterhin die Periode 1981 bis 2010, Portugal ist auf 1991 bis 2020 umgestellt, Griechenland rechnet mit einer sehr langen Reihe. Die Werte sind deshalb untereinander nur mit Vorsicht vergleichbar.
Die Kanaren als Untergrenze der Zuverlässigkeit
Wenn ein Ziel im April fast nie enttäuscht, dann die östlichen Kanaren. Der spanische Wetterdienst führt für Fuerteventura Aeropuerto eine mittlere Tageshöchsttemperatur von 22,9 Grad im April bei nur einem Niederschlagstag und 242 Sonnenstunden im Monat. Lanzarote liegt mit 23,5 Grad und 255 Sonnenstunden noch etwas darüber, Gran Canaria bei 22,6 Grad, Teneriffa Süd bei 23,1 Grad (AEMET).
Was diese Zahlen nicht zeigen, ist der Wind. Die östlichen Inseln liegen im Passat, und ein Aprilnachmittag mit 23 Grad und Böen fühlt sich anders an als 23 Grad im geschützten Süden. Wer Windschatten sucht, findet ihn eher an den Südküsten (auf Fuerteventura ist der Unterschied zwischen Nord und Süd an manchen Tagen beträchtlich). Ein Punkt, der in der Übersicht zu Fuerteventura ausführlicher steht.
Die zweite Zahl, die man kennen sollte, ist die Zahl der Regentage. Ein einziger im Monatsmittel bedeutet nicht, dass es nie regnet, sondern dass Regen im April statistisch die Ausnahme ist. Auf den westlichen Inseln sieht das anders aus; La Palma und der Norden Teneriffas liegen im Luv und sammeln deutlich mehr Feuchtigkeit. Daher rührt das Grün der westlichen Inseln, das den östlichen fehlt. Und warum die Wahl zwischen ihnen im April eine Wahl zwischen Landschaft und Wetterwahrscheinlichkeit ist.
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Zur SucheMadeira im April: kühler, dafür grün
Der portugiesische Wetterdienst gibt für Funchal eine mittlere Tageshöchsttemperatur von 21,0 Grad im April an, bei 4,7 Tagen mit nennenswertem Niederschlag, gemessen im Referenzzeitraum 1991 bis 2020. Zwei Grad weniger als auf Lanzarote, dafür eine völlig andere Landschaft.
Für Wanderungen ist der April auf der Insel eine der besseren Zeiten, weil die Levadas Wasser führen und die Hitze noch fehlt. Wer allerdings an den Strand will, sollte wissen, dass Madeira davon wenig hat. Die Details stehen in der Madeira-Übersicht.
Andalusien und die Türkische Riviera
| Ort | Mittlere Tageshöchsttemperatur April | Niederschlagstage | Quelle/Periode |
|---|---|---|---|
| Lanzarote | 23,5 °C | 1,3 | AEMET, 1981–2010 |
| Sevilla | 23,4 °C | 6,1 | AEMET, 1981–2010 |
| Teneriffa Süd | 23,1 °C | 1,1 | AEMET, 1981–2010 |
| Fuerteventura | 22,9 °C | 1,0 | AEMET, 1981–2010 |
| Málaga | 21,4 °C | 4,5 | AEMET, 1981–2010 |
| Antalya | 21,4 °C | 6,4 | MGM, Langzeitreihe |
| Funchal | 21,0 °C | 4,7 | IPMA, 1991–2020 |
| Heraklion | 20,1 °C | 7,6 | HNMS, lange Reihe |
Sevilla liegt in der Tabelle ganz oben, und das ist kein Zufall. Im April zeigt die andalusische Tiefebene ihre beste Seite, bevor sie im Hochsommer unbewohnbar heiß wird. Sechs Regentage im Monatsmittel sind mehr als auf den Inseln, wobei sie sich erfahrungsgemäß auf wenige Tage ballen, und der April ist in Andalusien die Zeit, in der es tatsächlich noch regnet. Das gilt auch für die Region insgesamt, deren Landesinneres um Ostern herum grün ist.
An der türkischen Südküste kommt Antalya auf 21,4 Grad und, was interessanter ist, auf 7,9 Sonnenstunden am Tag. Der türkische Wetterdienst rechnet dort allerdings über eine sehr lange Messreihe, was die Vergleichbarkeit mit den spanischen Werten einschränkt. Und auf Kreta weist der griechische Dienst für Heraklion 20,1 Grad aus, die Insel ist im April eindeutig ein Wander- und Kulturziel und noch kein Badeziel.
Reiseziele April jenseits von Europa
Wer weiter weg will, stößt im April auf ein Datenproblem. Für die naheliegenden Ziele (Marokko, Ägypten, Zypern, Malta) veröffentlichen die zuständigen Wetterdienste entweder gar keine Stationstabellen oder nur Karten ohne Zahlen. Malta veröffentlicht seine Werte in einer Form, die den Vergleich mit den übrigen Stationen nicht zulässt. Wer für diese Ziele Klimatabellen im Netz findet, sollte deren Herkunft prüfen; die meisten stammen nicht von den nationalen Diensten.
Wohin also im April reisen, wenn es weiter weg gehen soll? Qualitativ lässt sich trotzdem einiges sagen. Der April ist am Roten Meer die letzte Phase vor der Sommerhitze und damit klimatisch angenehmer als Juni bis September. In Marokko liegt er zwischen der Regenzeit und der Trockenheit, mit blühendem Hinterland und Nachttemperaturen, die in Wüstennähe empfindlich absinken. Und in Israel, Jordanien und der weiteren Levante fällt er in ein Fenster, das für Wüstenwanderungen deutlich besser geeignet ist als der Hochsommer.
Fernreiseziele im April sind darüber hinaus vor allem eine Frage der Südhalbkugel-Logik. In Südostasien endet in Teilen die Trockenzeit, im südlichen Afrika beginnt sie gerade. Beides sind Übergänge, und Übergänge sind schwerer zu planen als klare Saisons, ein Argument dafür, den April eher europäisch zu denken.
REISEBÜRO.DE EXPERTEN-TIPP:
Achte auf den östlichen Kanaren auf die Ausrichtung der Terrasse. Bei 23 Grad und Passatwind entscheidet Süd oder Südwest darüber, ob der Nachmittag draußen stattfindet oder hinter Glas.
Beim Baden im April hinkt das Wasser hinterher
Ein Punkt, der in Monatsübersichten regelmäßig fehlt, weil es dafür kaum belastbare amtliche Monatsmittel gibt: Die Wassertemperatur folgt der Lufttemperatur mit erheblicher Verzögerung. Im Mittelmeer ist der April deshalb praktisch überall zu kühl zum längeren Baden, auch dort, wo die Luft bereits sommerlich wirkt. Der Atlantik vor den Kanaren ist gleichmäßiger, aber ebenfalls kein warmes Bad.
Wer im April ans Wasser will, plant deshalb realistischer, wenn er den Strand als Aufenthaltsort und nicht als Schwimmbad betrachtet. Wen das stört, für den ist der Mai der deutlich passendere Monat. Badeurlaub im April funktioniert in Europa zuverlässig nur mit Pool oder Thermalwasser im Rücken, die Ausnahme sind die Kanaren, deren Atlantik über das ganze Jahr die geringste Schwankung aller europäischen Küsten aufweist.
Ein Nebeneffekt betrifft die Kleidung. Zwischen Mittag und Abend liegen im April an fast allen Zielen zehn Grad oder mehr, und der Wind kommt dazu. Wer nur Sommersachen einpackt, friert ab sechs Uhr abends, die häufigste vermeidbare Enttäuschung dieses Monats.
Warum Ostern wandert
Der April ist der einzige Monat, dessen wichtigster Reisetermin sich jedes Jahr verschiebt. Die Regel dahinter ist über anderthalb Jahrtausende alt. Auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 einigten sich die Kirchen darauf, Ostern am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche zu feiern; der Katechismus der Katholischen Kirche gibt diese Festlegung bis heute so wieder.
Praktisch heißt das, dass Ostern zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen kann, eine Spanne von mehr als vier Wochen. Für die Reiseplanung ist das der Unterschied zwischen einem Aprilurlaub mitten in der Nebensaison und einem, der mitten in die Ferien fällt. Wer flexibel ist, verschiebt um eine Woche und reist unter deutlich anderen Bedingungen; die Möglichkeiten rund um Ostern sind separat beschrieben.
Für die Planung im April 2026 ergibt sich daraus eine Reihenfolge. Erst die Ferienlage. Dann das Ziel. Und die Klimadaten bleiben, was sie sind, nämlich Mittelwerte, um die herum einzelne Jahre erheblich streuen.
Ein zweiter Kalendereffekt kommt hinzu. Fällt Ostern spät, rückt es an die Osterferien mehrerer Länder heran. Der halbe April wird dann zur Nebensaison mit Hauptsaisonpreisen. Fällt es früh, bleiben zwei bis drei ruhige Wochen danach übrig. Dieselben Zielorte verhalten sich in beiden Fällen völlig unterschiedlich. Mit dem Wetter hat das nichts zu tun.
Reiseziele April: die kurze Bilanz
Wer im April Verlässlichkeit sucht, findet sie auf den östlichen Kanaren, mit Abstrichen auf Madeira und im andalusischen Tiefland. Wer Landschaft sucht, ist auf Kreta, in Andalusien und in Marokko besser aufgehoben als am Strand. Und wer baden will, sollte den Monat entweder überspringen oder auf den Atlantik ausweichen.
Was in allen drei Fällen gleich bleibt: Kein anderer Monat streut so weit zwischen Mittelwert und tatsächlichem Wetter. Zwei aufeinanderfolgende Aprilwochen am selben Ort können sich anfühlen wie zwei verschiedene Jahreszeiten. Wer das einkalkuliert, reist im April entspannter als jeder, der auf den Mittelwert baut.
