Reiseziele August lassen sich mit einer einzigen Zahl besser erklären als mit jeder Beschreibung. Der spanische Wetterdienst weist für Sevilla im Monatsmittel eine Tageshöchsttemperatur von 35,5 Grad aus. Für Gran Canaria, gut zweitausend Kilometer weiter südwestlich und damit deutlich näher an der Sahara, sind es 27,5 Grad.
Acht Grad Unterschied, zugunsten der Insel, die weiter im Süden liegt. Der Atlantik ist im August der wirksamste Klimaanlagenersatz Europas (und zwar der einzige, der auch nachts funktioniert).
Die Kanaren als Hochsommerziel
Die Werte der Inselflughäfen liegen für den August dicht beieinander, 27,5 Grad auf Gran Canaria, 27,8 auf Fuerteventura, 28,4 auf Teneriffa Süd (AEMET). Regen fällt statistisch praktisch nicht, wobei ein Zehntel Regentag im Monatsmittel eher ein Rechenergebnis als ein Wetterbericht ist. Die Sonnenscheindauer erreicht mit rund 300 Stunden ihren Jahreshöchstwert.
Was die Inseln im August von den Mittelmeerzielen unterscheidet, ist die geringe Tagesamplitude. Der Atlantik dämpft Ausschläge nach oben wie nach unten, weshalb es nachts nicht drückend wird. Wer die Insel plant, findet die Details in der Übersicht zu die größte der Kanareninseln. Madeira liegt mit 26,8 Grad in Funchal und 0,4 Regentagen noch etwas darunter; die Insel ist im August spürbar angenehmer als das portugiesische Festland.
Der Kontrast zum spanischen Süden ist der eigentliche Planungshinweis. Andalusien ist im Frühjahr und Herbst großartig und im August eine Belastung, wer die Region kennenlernen will, verschiebt sie in den September.
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| Ort | Tageshöchsttemperatur August | Regentage | Quelle |
|---|---|---|---|
| Sevilla | 35,5 °C | keine Angabe | AEMET |
| Teneriffa Süd | 28,4 °C | 0,2 | AEMET |
| Fuerteventura | 27,8 °C | 0,1 | AEMET |
| Gran Canaria | 27,5 °C | 0,1 | AEMET |
| Funchal | 26,8 °C | 0,4 | IPMA, 1991–2020 |
| Estland (Landesmittel) | 21,3 °C | keine Angabe | Estnischer Wetterdienst, 1991–2020 |
| Edinburgh | 19,2 °C | 11,2 | Met Office, 1991–2020 |
| Inverness | 18,7 °C | 12,4 | Met Office, 1991–2020 |
Die Tabelle zeigt eine Spanne von über sechzehn Grad zwischen dem heißesten und dem kühlsten Eintrag, und das innerhalb Europas, in einem einzigen Monat. Wer die Reisezeit nicht verschieben kann, verschiebt eben den Breitengrad.
Schottland liegt im August fast auf demselben Niveau wie im Juli, mit etwas mehr Regentagen. Für Reisende ist das weniger abschreckend, als die Tabelle nahelegt. Elf Regentage bedeuten in der Praxis vor allem, dass Regenkleidung Teil der Grundausstattung ist (und nicht der Notfallreserve, in der sie bei den meisten Reisenden liegt). Die Möglichkeiten stehen in der Schottland-Übersicht.
Island ist im August ähnlich einzuordnen, wobei die amtliche Datenlage dort dünn ist: Der isländische Wetterdienst verlinkt öffentlich nur Mittel aus der Periode 1961 bis 1990. Praktisch gilt der August als der Monat mit den besten Straßenverhältnissen im Hochland, sofern die Furten passierbar sind, was die Island-Übersicht genauer ausführt.
Das Baltikum liegt mit 21,3 Grad im estnischen Landesmittel in einem Bereich, in dem Städtereisen funktionieren, ohne dass die Altstädte zur Hitzefalle werden. Der Wert ist ein Landesmittel über zwanzig Stationen, kein Küstenwert, an der Ostseeküste dürfte es etwas kühler ausfallen als im Binnenland.
Städtereisen sind überhaupt das unterschätzte Augustformat. Während die Küsten voll sind, leeren sich Metropolen wie Wien, Berlin oder Kopenhagen, weil die Einheimischen selbst wegfahren. Das gilt allerdings nicht für die südeuropäischen Städte, wo im August beides zusammenkommt: Hitze und Reisende.
Berge und heimische Küsten im August
Auch die Höhenlage wirkt wie eine Klimaanlage, nur zuverlässiger. Pro tausend Höhenmeter sinkt die Temperatur spürbar, weshalb ein Tal auf 1.200 Metern im August dieselbe Rolle spielt wie eine Atlantikinsel, nur eben mit Bergen statt Meer.
In den Alpen ist der August der zuverlässigste Wandermonat, weil die Schneereste der Vorsaison verschwunden sind und die Hütten durchgehend geöffnet haben. Preislich und beim Andrang ist er zugleich der schwierigste. Wer Österreich im August plant, gewinnt viel, wenn er auf die zweite Monatshälfte ausweicht. Bayern und Baden-Württemberg starten dann zwar in die Ferien, aber die norddeutschen Länder sind bereits zurück.
An der Ostsee gilt eine ähnliche Verschiebung. Der August ist dort der Monat mit der höchsten Wassertemperatur des Jahres, weil sich die flache See über den ganzen Sommer aufwärmt. Für Rügen und die anderen Küstenabschnitte bedeutet das, dass die zweite Augusthälfte oft besser ist als die erste, warmes Wasser bei sinkender Belegung.
Fernziele in der Trockenzeit
Auf der Südhalbkugel ist der August Hochsaison für Beobachtungsreisen, weil die Trockenzeit ihren Höhepunkt erreicht. Für die ostafrikanischen Savannen fällt in diese Wochen die große Tierwanderung, in Namibia und Botswana konzentriert sich Wild an den verbliebenen Wasserstellen.
Für diese Ziele entscheidet im August ohnehin nicht die Temperatur, sondern die Regenzeit. Was sich verlässlich sagen lässt, ist die Grundstruktur: kühle bis kalte Nächte, warme Tage, sehr wenig Niederschlag. Wer entsprechend packt, ist besser vorbereitet als mit einer Klimatabelle aus zweifelhafter Quelle.
Eine Fernreise im August hat gegenüber einer europäischen einen strukturellen Vorteil, der oft übersehen wird. Während die europäischen Ziele in diesem Monat ihre Spitzenauslastung erreichen, folgt die Südhalbkugel einem eigenen Kalender. Der August ist dort weder Ferien- noch Hitzemonat. Der Preis dafür ist die Flugzeit, und der Vorteil ist ein Ziel, das nicht überlaufen ist.
REISEBÜRO.DE EXPERTEN-TIPP:
Halte das Maximum um den 12. August gegen die Mondphase, bevor du die Nacht einplanst. Bei vollem Mond bleiben von den rund sechzig Sternschnuppen pro Stunde nur wenige sichtbar, und ein dunkler Standort ohne Streulicht nützt dann auch nichts mehr.
Die Perseiden im August
Ein Argument für den August hat mit Reisezielen gar nichts zu tun. Die Perseiden sind nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zwischen dem 17. Juli und dem 24. August aktiv, mit einem Maximum um den 12. August. Zur Spitzenzeit ist in unseren Breiten mit rund sechzig Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen, also im Schnitt einer pro Minute. Die Teilchen stammen aus der Staubspur des Kometen 109P/Swift-Tuttle.
Die Perseiden sind damit das einzige Reiseargument des Monats, das sich auf eine Woche genau terminieren lässt. Sie fallen zudem in eine Zeit, in der es nach zweiundzwanzig Uhr in Mitteleuropa endlich wieder richtig dunkel wird, im Juni wäre das gar nicht möglich.
Damit man etwas sieht, braucht es zwei Dinge, die auf Reisen leichter zu bekommen sind als zu Hause, einen dunklen Standort ohne Streulicht und eine Nacht ohne Mond. Die Kanaren, das isländische Hochland und die Alpenhochtäler liefern das erste zuverlässig. Für die Planung im August 2026 lohnt es, das Datum gegen die Mondphase zu halten. Ein Vollmond in der Maximumsnacht macht aus sechzig sichtbaren Sternschnuppen schnell zehn.
Der Ferienknick in der zweiten Monatshälfte
Ein Effekt, den man ausnutzen kann, hat mit Wetter nichts zu tun. Die deutschen Sommerferien laufen Land für Land gestaffelt aus. Die früh gestarteten Länder sind Mitte August bereits zurück, während Baden-Württemberg und Bayern erst mittendrin sind. Der Gesamtkorridor endet nach der Regelung der Kultusministerkonferenz spätestens am 15. September.
Praktisch heißt das: gleiches Wetter, weniger Betrieb. Die zweite Augusthälfte ist fast überall entspannter als die erste. An der Ostsee erreicht die Wassertemperatur dann ihren Jahreshöchststand. Wer die Wahl hat, verschiebt nach hinten.
Reiseziele August: die zwei Strategien
Und am Ende belohnt der August zwei Strategien. Die eine führt auf eine Insel im Atlantik, wo der Ozean die Temperatur deckelt. Die andere nach Norden oder nach oben, wo sie ohnehin nie hoch war.
Was selten funktioniert, sind die klassischen Binnenlandziele am Mittelmeer. Dieselben Orte gehören im Mai und September zu den schönsten Europas. Im August nicht.
Einen echten Geheimtipp für den Urlaub im August liefert diese Logik nicht; die Kanaren im Hochsommer sind kein Geheimnis, und Schottland auch nicht. Was tatsächlich wenig genutzt wird, ist die Kombination aus beidem in einem Urlaub, zwei Wochen Norden im August und die Kanaren im Februar liefern zusammen mehr als zwei Wochen Mittelmeer im August.
Wer sich fragt, wo im Sommer reisen überhaupt noch angenehm ist, bekommt damit eine unerwartet einfache Antwort. Nicht dort, wo es am wärmsten ist, sondern dort, wo die Temperatur gedeckelt wird, durch Ozean oder durch Breitengrad. Die beste Reisezeit für ein Ziel und der Monat, in dem man frei hat, sind zwei verschiedene Größen; der August macht diesen Unterschied nur deutlicher als jeder andere Monat.
